Parkettreinigung – aber bitte ohne Microfasertuch!

Kein Microfasertuch für die Parkettreinigung

Neulich war ich einen Tag lang in unserem Ausstellungsraum tätig und konnte mich mal wieder so richtig schön in meine Beratertätigkeiten einfinden. Da stürmte eine Kundin in den Showroom, die auf der Suche nach einer schnellen Lösung war. Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben und noch bevor ich Sie nach ihrem Anliegen fragen konnte, polterte sie verbal auch schon los. Die Dame erzählte mir, dass sie ihr Parkett mit einem Mikrofasertuch behandelt hat und sich an dieser Stelle nun Kratzer im Holz breit gemacht haben. Sie sagte, dass sie einen Fleck auf dem Holzboden mit dem Microfasertuch entfernen wollte und dabei wie eine Weltmeisterin gerubbelt hat. Getreu dem Motto: Wer viel Kraft aufwändet, löst den Fleck im Handumdrehen.

Ich war über die Kratzer nicht sonderlich überrascht, denn Microfasertücher gehören auch nicht auf den Parkettboden! Okay, ICH weiß das! Die Dame wusste es NICHT! Sie hatte den Schaden und deshalb habe ich mir ganz genau überlegt, wie ich die unschöne Info am besten verpacke. Schließlich möchte in diesem Fall niemand hören: „Für die Reinigung von Holzböden dürfen ja auch keine Microfastertücher verwendet werden. Hätten Sie stattdessen lieber ein speziell auf den Boden abgestimmtes Reinigungsutensiel verwendet.“ Nein, das möchte niemand hören. Schließlich klingt das in den Ohren der Kundin vermutlich eher so: „Tja, hätte der Hund nicht gesch….., hätte er einen Hasen gekriegt.“. Das macht die Kratzer aber auch nicht rückgängig. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, die unerwünschten Informationen quasi von „hinten aufzurollen“. Statt mit Schuldzuweisungen, dem erhobenen Zeigefinger, dem Vorwurf von Unwissenheit und der Floskel „Hätten Sie mal…“ loszulegen, habe ich mich dafür entschieden die Anatomie des Microfasertuchs unter die Lupe zu nehmen. Aus diesem Grund habe ich ihr erklärt, dass Microfasertücher zwar sehr weich und flexibel, aber dennoch mit kleinen Schleifkörnchen ausgestattet sind. Diese Körnchen richten bei „normalem Gebrauch“ so gut wie keinen Schaden kann, gehen aber zum mechanischen Angriff über, wenn mit dem Microfasertuch über ein- und dieselbe Stelle gerubbelt wird. Immer und immer wieder, wobei immer mehr Druck aufgewendet wird. Die Dame hatte sehr lange und rot lackierte Fingernägel, die mir nicht nur sofort ins Auge gesprungen sind, sondern auch als perfektes Beispiel dienten, ihr Fehlverhalten in Bezug auf die Reinigung deutlich aber subtil zu kommunizieren. „Ich kenne das Problem mit den Nägeln“, da ich meine eigenen auch regelmäßig maniküren lasse: Frisch aus dem Nagelstudio kommend, darf ich mich noch über eine perfekte, hoch glänzende, versiegelte und kratzerfreie Lackschicht freuen. Eine Woche später sieht die Sache schon wieder ganz aus. Selbst wenn ich meine Hände in Watte packen würde, müsste ich mich nach ein paar Tagen über kleine aber unschöne Kratzer im Lack ärgern. Woher diese kommen? Sicherlich vom Kontakt mit Bettwäsche, Kleidung, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Nahrungsmitteln, Tastaturen und so weiter. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was mit meinen Fingernägeln passiert, wenn ich permanent mit einem Microfasertuch darüber reibe und dabei auch noch Kraft aufwände. DAS hat die Kundin verstanden! Ich konnte sie quasi für die Empfindlichkeit ihres Bodens sensibilisieren, ohne ihr Unwissenheit oder ein fehlerhaftes Verhalten vorzuwerfen.

 

Woca Pflegebox zur Parkettreinigung
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Anschließend kamen die Fragen. Berechtigt! Sie wollte beispielsweise wissen, ob sie das Parkett beim falschen Hersteller gekauft hat und ob sie es lieber bei uns hätte kaufen sollen. Hmmm, das „falsche Parkett“ gibt es in diesem Sinne nicht. Wenn überhaupt, dann wurde der Boden falsch versiegelt, wovon ich allerdings nicht ausgehe. Die auf dem Markt erhältlichen Versiegelungsprodukte sind in der Regel hochwertig und erzielen ein gutes Ergebnis, sofern diese Produkte nach den Angaben des Herstellers aufgetragen wurden. Nun war es tatsächlich an der Zeit, meiner Aussage einen gewissen Nachdruck zu verleihen und den imaginären Zeigefinger zu schwingen: Es spielt keine Rolle, welche Versiegelung verwendet wurde. Jedes System (Lack, Öl, Wachs, Komponent) schützt das Holz vor alltäglichen Belastungen. Allerdings ist KEINES dieser Produkte so widerstandsfähig, den dauerhaften, punktuellen und mechanischen Belastungen eines Microfasertuchs standzuhalten. Das heißt im Klartext: Ein Microfasertuch hat auf dem Parkettboden nichts zu suchen! Es gibt spezielle Reinigungskits, die auf die Reinigung von Holzböden abgestimmt sind und auch verwendet werden sollten. Mit circa 50 EUR ist das Reinigungskit relativ kostengünstig angeschafft und hält über mehrere Jahre. Damit amortisiert sich die Anschaffung schon nach den ersten Alltagsreinigungen.

Ihre nächste Frage bezog sich berechtigterweise auf die Abhilfe, die sie schaffen möchte und welche Möglichkeiten sie hat. Da es sich um einen lackierten und nicht um einen geölten Boden handelt, blieb ihr nichts weiter übrig, als den Boden neu zu lackieren. Eventuell ist es möglich, einen Boden partiell zu versiegeln und nur die betroffene Stelle mit neuem Lack zu behandeln. Es kann jedoch nicht garantiert werden, dass der Übergang zur restlichen Lackschicht nicht sichtbar ist. Um eine gleichmäßige und flächendeckende Versiegelung zu gewährleisten, muss die komplette Lackschicht abgeschliffen und neu aufgetragen werden. Ein Seufzer. Ihre Reaktion war angemessen, denn in ihrem Kopf ratterte bereits die Schleifmaschine. Bevor diese jedoch zum Einsatz kommen kann, um jede Menge Schleifstaub an die Zimmeratmosphäre abzugeben, müssen alle Möbel ausgeräumt werden. Das bedeutet Zeit, Aufwand und Nerven. Und weswegen? Weil ein kleines Microfasertuch benutzt wurde. Dabei sieht es doch so harmlos aus. So, als wäre es perfekt geeignet, um Flecken vom Parkett zu entfernen. Falsch! Parkett-Reinigung? Finger weg vom Microfasertuch!

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4 comments

  1. Alle Mikrofasertücher enthalten Schleifpartikel? WIeso benutzen dann Profi-Lackaufbereiter und Autopflege-Enthusiasten nichts anderes? Und wieso empfielt HARO den Vileda-Wischbezug aus extra weicher Mikrofaser?
    Sicher, sicherheitshalber sollte man von Mikrofaser abraten, denn ein Kunde kann schwer einschätzen ob es abrasiv wirkende Scheuerfasern sind oder wollig weiche.

    1. Ist der Hartbodenreiniger FC5 von Kärcher für die Reinigung von geöltem Parkett geeignet? Gemäss Kärcher ist dies der Fall, bin aber verunsichert, da die Rollen aus Mikrofasern bestehen (Walzen aus Baumwolle gibt es gemäss Kärcher nicht). Was würdet ihr mir empfehlen?

      1. Hallo Mi, unsere Bodenexperten sagen: Mikrofaserwalzen und geöltes Parkett passen einfach nicht zusammen. Das Gerät ist eher für lackierte Parkettböden geeignet.
        Wir empfehlen unseren Kunden mit geölten Parkett immer die Woca Pflegebox ÖL Natur für geölte Böden (www.parkett-direkt.net/woca-pflegebox-oel-natur-fuer-geoelte-boeden-440351.html) und passend dazu den Woca Swep Mop (www.parkett-direkt.net/woca-swep-mop-rot-komplett-fuer-geoelte-und-lackierte-holzboeden-oder-andere-boeden-855113.html)

        Ich hoffe, die Antwort hilft dir in deiner Entscheidung weiter?!
        Beste Grüße,
        Solveig

  2. Der mit Mikrofasertüchern erreichbare vergleichsweise hohe Reinigungseffekt entsteht zum einen durch die relativ hohe Anzahl von Berührungspunkten („Papillen“) zwischen Textilkörper und der zu reinigenden Oberfläche, zum anderen durch die Vielzahl von Kapillaren, die sich aus den Zwischenräumen zwischen den nebeneinander gelagerten Maschen und den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Fibrillen innerhalb der Masche ergibt.

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